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Der Hexenturm von Stolp

Ein Beitrag von Gina Horn

Auch die Stadt Stolp war Schauplatz der Hexenverfolgungen. Stolp (Słupsk) unterlag zu Beginn des 14. Jahrhunderts dem pommerschen Herzogtum. Nach dem Aussterben des Greifengeschlechts ging diese Herrschaft im Westfälischen Frieden von 1648 an das Haus Brandenburg über. Im Jahr 1365 wurde Stolp Mitglied der Hanse, somit stiegen auch der Reichtum und der Einfluss der Stadt enorm an. Um dies zu demonstrieren und sich gleichzeitig vor Eindringlingen und Plünderungen zu schützen, baute man eine 3-4m hohe und robuste Stadtmauer um Stolp aus. In jede Himmelsrichtung war ein Turm ausgerichtet, einer davon war der so genannte Hexenturm. Dieser steht bis heute am östlichen Teil der Stadtmauer. Der Hexenturm wurde in den Jahren 1411-1415 fertig gestellt. Damals trug jener diese Bezeichnung noch nicht. Der Turm wurde zuerst als Gefängnis für Bürger genutzt die Verbrechen begingen, wie Diebstahl, Betrug oder gar Mord. Nachdem die Reformation im Jahr 1534 fester Bestandteil ganz Pommerns wurde, waren auch immer mehr Hexenpredigten in den Alltag eingebunden. Und auch die Zahl der Hexenprozesse in Stolp ist gestiegen. Der einstige Gefängnisturm wurde in ein Hexengefängnis umfunktioniert, so kam dieser zu dem Namen Hexenturm. Im Keller befand sich eine Folterkammer, die für die „peinlichen“ Verhöre der vermeintlichen Hexen genutzt wurde. Schon die erste angeklagte Hexe wurde dort gefangen gehalten und 1651 verurteilt.

Postkarte mit dem Hexenturm, Archiv des Pommerschen Landesmuseums

Einen besonderen Einblick nehmen wir auf den Prozess von der vermeintlichen Hexe, die in der Literatur als Kathrin oder Trina, als oftmals genutzte Abkürzung des Vornamens, Zimmermann oder Papisten bekannt und im Hexenturm Stolp gefoltert und gefangen gehalten wurde. Ihre Geburtsdaten sind unbekannt, dafür aber die Umstände ihres Todes umso ausführlicher überliefert.

Trina soll eine Einzelgängerin gewesen sein und sich vom öffentlichen Leben distanziert haben. Dies missfiel den anderen Frauen im Ort sehr, denn es sei ein Indiz für die Ausübung der schwarzen Magie. Diese nutzte eine Hexe nur, um für sich alleine ein positives Nutzen daraus zu ziehen. Am 04.05.1701 wurde Trina von dem Apotheker Zienecker beschuldigt Hexerei im Dorf angewandt zu haben, ein Grund hierfür war die Nutzung von Heilkräutern. Doch das war nicht der einzige Vorwurf. Die Tiere der Nachbarn verendeten an einer Seuche, nur das Vieh der Familie von Trina überlebte. Eine Raupenplage stürzte sich auf die Ernte des Dorfes, daraufhin folgten enorme Hagelstürme die weitere Teile der Landwirtschaft zerstörten.

Darstellung einer Frau mit dem Hexenturm im Arm, Stolp, ul. gen. Józefa Bema, Foto: Pommersches Landesmuseum

Es war für eindeutig, dass Trina dem als Hexe schuldig war. Mehrere Nachbarn warfen mit angeblichen Beweisen der Hexerei um sich. Da die Angeklagte ein freiwilliges Geständnis verweigerte, erteilte die Juristische Fakultät Rostock, am 27.07., in einem Rechtsgutachten die Erlaubnis zur Anwendung von Folter. Das Ziel war es ein eindeutiges Geständnis zu erlangen. Die erste Folterung wurde am 11.08. im Keller des Hexenturmes ausgeführt. Es wurden ihr auf der Streckbank die Arme und Beine ausgerenkt und mit einem heißen Eisen enorme Brandwunden zugefügt. Unter den Schmerzen der Folterung gestand sie eine Hexe zu sein, einfach um die Qualen nicht mehr ertragen zu müssen. Vor dem Richter berichtete sie von Hexenversammlungen auf dem Blocksberg und wie sie vom Teufel zur Hexerei verführt wurde, um ihr Geständnis glaubhaft zu unterstreichen. Am 30.08.1701 wurde sie auf dem Scheiterhaufen unter den Augen vieler schaulustiger Dorfbewohner als letzte verurteilte Hexe in Stolp verbrannt.

Foltelkeller im Museum Burg Penzlin. Das Hexenmuseum in Mecklenburg, Foto: Pommersches Landesmuseum

Für mich war es eine neue und spannende Aufgabe eigenständig zu einem Thema zu recherchieren und mit Archivalien zu arbeiten. Durch den Online-Katalog OPAC der Universitätsbibliothek Greifswald bin ich auf erste passende Literatur gestoßen. Einige der Bücher befinden sich in der Bibliothek des Pommerschen Landesmuseum, dadurch konnte ich diese gut nutzen. Ich habe mich erst zu der Stadtgeschichte von Stolp belesen und dann einen Blick in den Hexenprozess einer Hexe nehmen können. Besonders interessant ist, dass es relativ viel Literatur über die Hexenprozesse oder allgemein über den Hexenwahn in Pommern gibt, aber es nicht detailliert in der Allgemeinheit verbreitet ist. Die Literatur, die mir durch meine Recherche zur Verfügung stand, ist in die Sekundärliteratur einzuordnen. Originale Quellen konnte ich nicht nutzen, damit hätte man sehr wahrscheinlich noch einen tieferen Einblick in die Thematik bekommen können.

Gina Horn studiert an der Universität Greifswald und im Rahmen ihres Praktikums unterstützte sie die Arbeit des Pommerschen Landesmuseums.

Literatur:

Bonin, Dr. Rudolf, Städtische und kirchliche Zustände im mittelalterlichen Stolp, in: Kuschfeldt, Walter (Hrsg.), Das alte Stolp. Aus der mittelalterlichen Geschichte der Stolper Lande, Lübeck 1957, S. 34-38.

Eisermann, Wilhelm, Aus Pommerns alter Zeit. Bilder aus der Geschichte Ostpommerns von der Vorzeit bis zum 19. Jahrhundert, Gollnow 1937, S. 101-106.

Pagel, Karl-Heinz, Stolp in Pommern: eine ostdeutsche Stadt. Ein Buch über unsere pommersche Heimat, Lübeck 1977.

Haas, Alfred, Über das pommersche Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert, in: Baltische Studien (Neue Folge), Bd. 34, Kiel 1932, S. 158-202.