Die Akte Sidonia

  • Wochenendbeilage
    Der Name Sidonia von Borcke war 1922 in Pommern im Allgemeinen gut bekannt, wie man aus dem Artikel der Greifswalder Zeitung schließen kann. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Alfred Haas und Max von Stojentin trugen dazu bei, dass mehr Informationen zu den Hexenprozessen in Pommern und auch weitere Namen und Schicksale verfolgter Hexen und Zauberer an die Öffentlichkeit gerieten. In diesem Text werden zum Beispiel einige von den ältesten Prozessen geschildert, wie die von 1558 in Stralsund, 1537 und 1538 in Schlawe (Sławno) und 1546 in Anklam. Aus Wochenbeilage zur Greifswalder Zeitung – „Heimatleiw un Muddersprak“, 1. Jahrgang, 1922 (Archiv Pommersches […]
  • „Pommersche Mütze“
    Gepeinigt von Kopf bis Fuß Auch von Johann Carl Dähnert erfahren wir einige spezifische und grauenhafte Details zu den Verfolgungen in Pommern.  Im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschland wurden in Pommern Torturen meistens abends durchgeführt. Zu den hier bei den Scharfrichtern beliebten Instrumenten sollte die „Pommersche Mütze“ oder Haube gehören, plattdeutsch “Huwe”, die möglicherweise sogar hier erfunden worden ist. Dieses Folterinstrument bestand aus einem eisernen Ring, welcher mit dem Anziehen einer Schraube immer enger um den Kopf gelegt wurde. Um das Schreien der gefolterten Person zu verhindern, wurde ein Knebel in den Mund gelegt: Dieser wurde als Kimmel oder Birne […]
  • Pommersche Hexenforschung
    Außer die Aktenlage zusammenzufassen und den Forschungsstand einzuschätzen gibt Alfred Haas in seiner Publikation Hinweise auf viele Details und Besonderheiten zur Verfolgung und Folter in Pommern. Diese können auch heute noch ein Schaudern verursachen…  Im 17. Jahrhundert gab es Scharfrichter in jeder kleiner Stadt; so hatten zum Beispiel Städte wie Massow, Gollnow, Treptow an der Rega und Pyritz ihre eigenen Scharfrichter. Die angewendeten Folterinstrumente waren im Besitztum des Scharfrichters und wurden zu jedem Verhör von ihm mitgebracht, so Alfred Haas. 
  • Pommersche Hexenforschung
    Alfred Haas (1860–1950) nahm eine Wissenslücke in der Hexenforschung wahr und vermochte diese mit eigenen Untersuchungen auszufüllen. 1896 erschien sein Buch: „Aus pommerschen Hexenprozessakten: ein Beitrag zur Geschichte des pommerschen Volksglaubens.“ Dafür standen ihm ausschließlich Unterlagen, die sich auf die zweite Hälfte des 17. Jh. und das Gebiet des ehemaligen Bistums Cammin bezogen, zur Verfügung. Diese waren im Besitz der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde. Max Stojentin würdigte später die Arbeit von Alfred Haas als „eine sehr eingehende und auf Aktenforschung gegründete Schilderung der pommerschen Hexenprozesse“. Alfred Haas: Aus pommerschen Hexenprozessakten: ein Beitrag zur Geschichte des pommerschen Volksglaubens, 1896 […]
  • Besuch in Marienfließ
    Marienfließ (Marianowo) war ein wichtiger Schauplatz der Geschichte – hier lebte Sidonia von Borcke als sie der Hexerei bezichtigt wurde. Sie soll streitlustig gewesen sein – Georg Sello zietiert in seiner Arbeit mehrere Urkunden in denen Sidonia, unter anderem, als Schlange beschimpft wird und in denen über ihr ordnungswidriges Verhalten gelestert wird. Georg Sello: Sidonia Borcke. Vermischte Urkunden (Bd. 3,2), 3. Urkunden und Aktenauszüge betr. die Disziplinaruntersuchung und die Voruntersuchung wegen Zauberei gegen Sidonia sowie den Kriminalprozeß gegen Wolde Albrechts.
  • Kriminalistische Untersuchung einer Schauspielerin
    Katja Klemt mit ihrem neuen Bücherstapel… Wenn eine Schauspielerin der Sidonia von Borcke eine Stimme geben will, dann muss sie offensichtlich zur Historikerin, Philosophin und Kriminologin in einem mutieren. Hier ein weiterer Bücherstapel von Katja Klemt als Vorbereitungsmaterial zur Produktion der Podcasts. Von unten nach oben: Sönke Lorenz: Aktenversendung und Hexenprozess: Dargestellt am Beispiel der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/82-1630). Band I. (Studia philosophica et historica, Band 1), 1982 Katrin Moeller: Hexen- und Zaubereiprozesse in Mecklenburg, 1336-1805, 2015 Mona Chollet: Hexen: Die unbesiegte Macht der Frauen, 2020
  • Der Hexenturm von Stolp
    Ein Beitrag von Gina Horn Auch die Stadt Stolp war Schauplatz der Hexenverfolgungen. Stolp (Słupsk) unterlag zu Beginn des 14. Jahrhunderts dem pommerschen Herzogtum. Nach dem Aussterben des Greifengeschlechts ging diese Herrschaft im Westfälischen Frieden von 1648 an das Haus Brandenburg über. Im Jahr 1365 wurde Stolp Mitglied der Hanse, somit stiegen auch der Reichtum und der Einfluss der Stadt enorm an. Um dies zu demonstrieren und sich gleichzeitig vor Eindringlingen und Plünderungen zu schützen, baute man eine 3-4m hohe und robuste Stadtmauer um Stolp aus. In jede Himmelsrichtung war ein Turm ausgerichtet, einer davon war der so genannte Hexenturm. […]
  • Stargordt – die Ahnengalerie im Schloss
    Hing an einer dieser Wände das verschollene Porträt, das Sidonia von Borcke darstellen sollte? Der Name Stargodt fiel hier schon mehrmals. Für „Die Akte Sidonia“ steht Stargordt vor allem für den Sitz der Familie von Borcke. Das legendäre Sidonia-Bildnis soll bei den Familienporträts im Stargordter Schloss gehangen haben, bis es im März 1945 samt der Ausstattung verbrannt sein sollten. Die Hinweise zur reichen Kunstsammlung, deren Bestandteil das Porträt der „unglücklichen“ und „berüchtigten“ Sidonia, war stammen aus einem Reisebericht des Schriftstellers Johann Bernoulli, der das Anwesen in den Jahren 1777 und 1778 auf einer Tour durch hinterpommersche Güter besuchte. Der Architekt des […]
  • Der Zauber der Legende
    Ein Vorhängeschloss soll laut der Legende auch im Fall Sidonia von Borcke eine wichtige Rolle gespielt haben. Gustav Heinrich Schwallenberg hat mit seiner handschriftlichen Notiz, die auf die Rückseite des sogenannten Stargordter Doppelporträts angeheftet war, die tragische Geschichte der pommerschen Adligen verewigt. Abwohl das Bild aller Wahrscheinlichkeit nach zerstört wurde, ist Schwallenbergs Text in den Geschichtsbüchern überliefert. Diese Version der Ereignisse hat die Erinnerung an Sidonia maßgeblich geprägt und die Grenze zwischen Geschichte und Legende verwaschen. Hier ein Ausschnitt aus der Notiz von Gustav Heinrich Schwallenberg auf der Rückseite des Stargordter Porträts: „Der Fürst ließ ihr hierauf zwar Gnade und […]
  • Die kriminalistische Untersuchung einer Schauspielerin
    Wer hat gesagt, dass Hexen auf Besen fliegen? Gemeinsam mit der Schauspielerin Katja Klemt erforschen wir Geheimnisse, die mit dem Hexendasein zusammenhängen. Eines davon ist… das Transportmittel. Nicht auf einem Besen, nicht mit dem Fahrrad – nur ausnahmsweise mit dem Auto sind wir zu diesem Zweck in die Mecklenburgische Seenplatte in die Burg Penzlin gefahren. Vor Ort, in der Burg Penzlin. Ein beklemmendes Engegefühl überkommt uns, als wir die steile Treppe hinabsteigen und den Kerker betreten. Die schmalen Ziegelsteine der Treppe weichen einem gestampften Lehmboden. Wir atmen die abgestandene Luft ein. Nur der schmale Strahl des elektrischen Lichtes erinnert uns […]
  • Die Hexenprozesse von Salem
    Geschichten über die Hexenverfolgungen bleiben weiterhin lebendig und oft bemerkenswert zeitlos. Die Kunst und Kultur geben uns die Möglichkeit sie genauer zu betrachten und sie regen zum Nachdenken und zu eigenen Nachforschungen an. Und so nimmt sich das Zeitgenössische Theater in Stettin (Teatr Współczesny) dem Thema an. „Hexenjagd“ – ein Klassiker von Arthur Miller kehr im November auf die Theaterbühne zurück. Es ist „ein Vorwand für eine Diskussion über die heutige Welt: eine Welt zwischen Religion und Politik (…) und eine Geschichte darüber, wie ein scheinbar triviales Ereignis eine Spirale von Ereignissen auslöst, in denen alle Griffe erlaubt sind.” Mehr […]
  • Die kriminalistische Untersuchung einer Schauspielerin
    Im Lesesaal des Archivs der Universität Greifswald wird von Katja Klemt ein Experte zu dem Fall Sidonia von Borcke vernommen. Dirk Alvermann ist Leiter dieser Einrichtung und vor 22 Jahren arbeitete er bereits als Archivar im Landesarchiv Greifswald. Er öffnete damals die Akte Sidonia und verfasste eine wissenschaftlich fundierte Darstellung des Lebens der sagenumwobenen „Hexe“. Die Sprache war hierbei eine der Herausforderungen. Denn vor vier Jahrhunderten galten noch keine orthografischen Regeln. Das Entziffern der dort verwendeten Kurrentschrift mit barocken Einflüssen ist mühevoll. Die Aussprache dieser Zeit lässt sich hingegen leider überhaupt nicht rekonstruieren. Wer auf Dirk Alvermanns Blick auf die „unruhige, […]
  • Es war einmal Pommern
    Michael Majerski dreht einen Film über Pommern – und Sidonia von Borcke erfährt davon. Was passiert dann? Gespielt von Anna Januszewska stellt Sidonia von Borcke eine Klammer für die filmische Betrachtung der historischen Brüche und Kontinuitäten in der Region dar. „Es war einmal Pommern“– ein sehenswerter Film. Hier: https://vimeo.com/user14636580.
  • Hexenverfolgung in Neustettin
    „Zum Galgenberg ging der Schreckenszug hin. Zu befreien von Jammer die Stadt Neustettin. Seit fünfzehn Hundert Neunzig und zwei War’s mit neun und vierzig Hexen vorbei.” Zahlreichen Hexenprozesse fanden in Neustettin insbesondere in den Jahren 1585 – 1592 statt. Max von Stojentin schreibt sogar von der Ausrottung ganzer Familien. Aktenbasiert nennt er eine Zahl von 22 Opfern für diesen Zeitraum von 7 Jahren, vermutet jedoch ein deutlich größeres Ausmaß der Tat und nennt dazu die Indizien („Kulturgeschichtliche Bilder aus den letzten 100 Jahren der pommerschen Selbstständigkeit“, S. 14 http://www.anton-praetorius.de/downloads/Hexen-%20und%20Zauberwesen%20in%20Pommern.pdf).  Lokalhistoriker im heutigen Neustettin weisen auf den Hügel neben dem Kriegsfriedhof […]
  • Johannes Bugenhagen und die „Hexenpredigt“
    Johannes Bugenhagen – in allen Ehren auf dem Croy-Teppich abgebildet – steht der Doctor Pomeranus stolz zwischen den pommerschen Herzögen Barnim IX. und Philipp I. Der aus Wollin stammende Pfarrer und Gelehrte gehörte zu den engsten Mitarbeitern Martin Luthers und ging in die Geschichte als Verfasser von neuen Kirchenordnungen rein. Im Frühjahr 1526 in Wittenberg notierte er eine sogenannte „Hexenpredigt“, die Martin Luther dort abgehalten hat. Dadurch konnte sich bis heute dieses wichtige Geschichtszeugnis erhalten. Foto: Ein Fragment des Croy-Teppich (Universität Greifswald) im Pommerschen Landesmuseum „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel […]
  • Das Recht einer Hexe? Gerichtsverfahren bei Hexenprozessen
    Ein Beitrag von Paul Sperber Aus heutiger Sicht klingt es paradox: Rechtsprechung bei Hexenprozessen?  Doch tatsächlich, Hexerei galt als ein juristischer Akt. Aber wieso verfolgte man überhaupt angebliche Hexen? Kurzgesagt betrachtete man sie als Handlanger des Teufels, welche gezielt Schaden anrichteten, wie etwa Missernten, Unwetter, Brände oder auch Schicksalschläge Einzelner, wie etwa Fehlgeburten oder Krankheiten. Im christlichen geprägten Mittelalter und der Frühen Neuzeit war die Furcht vor Satan ein ausreichendes Argument, dessen vermeintliche Helfer aufzuspüren und zu töten.  Doch obwohl all dem der Glaube zu Grunde lag, fielen die Hexenprozesse nicht in die Gerichtsbarkeit der Kirche. Im Gegenteil, die katholische Kirche […]
  • Auf nach Marienfließ
    Dr. Paweł Gut präsentiert im Vortrag den Umschlag der Prozessakte aus dem Jahr 1601-1602, aus den Beständen des Staatsarchivs Stettin. Dies war Sidonia von Borckes letzte Klage gegen den Bruder Ulrich im Streit um das ihr nach dem Tod der Schwester Dorothea zustehende Erbe und die ausstehenden Alimente. Auch diesmal blieb diese erfolglos. Am 11. November 1603 starb Ulrich und die Bemühungen Sidonias wurden noch aussichtloser. Nach Angaben Georg Sellos (Quellenedition, Bd. 3, S. 144) wird Sidonia in das Kloster Marienfließ durch Fürbitte „ehrlicher vornehmer Leute“ um Neujahr 1604 aufgenommen. Es lässt sich nur vermuten, dass hier ökonomische Gründe ausschlaggebend […]
  • Im Klostergarten
    Im Klostergarten des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald treffen wir die Schauspielerin Katja Klemt. Heute beginnt ihre kriminalistische Untersuchung der aktenkundigen Hexe Sidonia von Borcke. „Ich möchte verstehen, wie man zu einer Hexe wird“ – erklärt sie mit ihrer rauchigen Stimme. Mit dieser Stimme will sie der Geschichte Sidonias im Rahmen der im Projekt geplanten Kriminalpodcasts Gehör verschaffen. Katja Klemt schreitet langsam zwischen den Beeten des Klostergartens. Hin und wieder bückt sie sich und riecht an einer Pflanze. Es ist schon August und viele Esskräuter und Heilpflanzen sind bereits verblüht. Sie riecht an den Blüten des Rainfarns. Hatte Sidonia das einst […]
  • Archive bewahren Schätze der Geschichte
    So auch das Landesarchiv Greifswald, in dem das Familienarchiv der von Borckes behütet wird. Darin enthalten ist ein Blatt mit einem aufgeklebten Bild – die Komposition dieser angeblichen Abbildung Sidonia von Borckes weist eine erhebliche Ähnlichkeit mit dem Doppelporträt im Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie) auf. Entsprechend der Beschriftung auf dem Archivblatt soll diese Schwarz-weiß-Kopie in der Technik der Heliogravüre angefertigt worden sein. Die beiden Sidonia-Forscher Georg Sello und Wulf-Dietrich von Borcke sehen in diesem Bild die eigentliche Vorlage für viele weitere Darstellungen, die im 18. und 19. Jahrhundert entstanden, unter anderem auch für das Stettiner Sidonia-Bild und die […]
  • Wir öffnen die Akte Sidonia!
    Laut Überlieferungen wurde Sidonia von Borcke am 19. August 1620 in Stettin wegen Hexerei hingerichtet. Wäre das ein Fall von heute, würden wir ihr Gesicht in jedem Kiosk auf den Titelseiten der Boulevardzeitungen sehen. Obwohl ihr Tod 400 Jahre zurückliegt, können wir uns dank der vielen Drucke, für die ihre Geschichte eine Inspiration war, gut vorstellen, wie sie vielleicht ausgesehen hat. Vor diesem Hintergrund sticht ein von Legenden und Geschichten umwobenes Doppelporträt Sydonias hervor, das sich heute in der Sammlung des Nationalmuseums in Stettin befindet. Da es im 17. Jahrhundert keine Kameras gab und Sydonia keiner fürstlichen Familie mit eigenem […]

Titelmotiv:  Digitale Bibliothek MV mit der Unterstützung der Universität Greifswald. Das Originalmotiv befindet sich im Landesarchiv Greifswald, Rep. 38d Borcke Nr. 106 d6.